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traßennamen in
unserer Stadt |
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Vergangene und erhaltene Straßennamen
Wer wollte, konnte vier Jahre lang mit Hilfe des Amtsblattes ein Mal
im Monat durch unsere Stadt spazieren, Straßenschilder ansehen und sich
darüber Gedanken machen.
Es war leicht zu erkennen, dass viele Namen aus der Geschichte
abgeleitet wurden, manche entstanden nach geografischen Gegebenheiten,
andere brachten mehr oder weniger verdienstvolle Menschen aufs Tapet.
Nachdem der Name festgelegt war, gab es ab und zu auch Umbenennungen.
Besonders „einfallsreich“ war man in der Zeit zwischen 1933 und 1945.
So hieß zum Beispiel unsere Karlstraße einmal Schlageterstraße, die
Logenstraße war die Theodor-Fritsch-Straße und die Goethestraße die
Wilhelm-Gustloff-Straße. Diesen Namen trug auch ein Schiff, das am Ende
des 2. Weltkrieges, voll besetzt mit ca. 10.000 Flüchtlingen und
Verwundeten, in der Ostsee versenkt wurde. Auch der Weststraße hatte man
einen anderen Namen verpasst. Eine Stalinstraße blieb uns erspart, ein
Adolf-Hitler-Platz nicht. Aber den brauchte niemand als Wohnanschrift
anzugeben. Da wohnte niemand. Wir hatten eine Chemnitzer Straße, den
Pleißaer Weg und auch in Hohenstein eine Limbacher Straße. Die
Himmelsrichtung stimmte bei denen. Eine Langemarckstraße gab es auch,
aber die führte nicht nach Langemar(c)k in Belgien, sondern damals schon
nach Lichtenstein. Die Aristokraten König Albert, Bismarck und die
Schönburger verloren nach dem Krieg ihre Straßen, auch Moltke. Die
Karl-May-Straße blieb uns von Anfang an dank kluger Leute in
Hohenstein-Ernstthal immer erhalten, während die Radebeuler eine Zeit
lang auf ihre verzichten mussten. Aber dafür sind uns nicht nur die
Bahnstraße und die Bahnhofstraße abhanden gekommen, sondern sogar der
Bahnhof. Auch die Hennecke-Aktivisten, Dr. Otto Nuschke, Ernst Thälmann
und Karl Marx verloren ihre Straßen. Die Badstraße führte ans
Mineralbad, die Friedhofstraße zum Friedhof von St. Christophori. Die
Waisenhausstraße befand sich am Waisenhaus auf dem Zillplatz, und der
Teichplatz, der heutige Dr.-Wilhelm-Külz-Platz, hatte zu Recht diesen
Namen. Die Centralstraße befand sich mitten in der Stadt. Wer hatte wohl
die gute Idee, in unserer Stadt eine Immanuel-Kant-Straße einzurichten
oder eine Max-Reinhardt-Straße? Die letztere heißt zwar jetzt Kurze
Straße, aber auch mit dem früheren Namen hätte man sich anfreunden
können. Dr. Adolf Damaschke (1865-1935), ein echter Berliner, war
Volksschullehrer und machte sich als Lebensreformer und Verfechter einer
Bodenreform einen guten Namen. Wie einfach ist es doch mit der Süd-,
Ost- und der Weststraße! Wo bleibt die Nordstraße? Die Namen Hohe Straße
und Breite Straße stimmen immer noch, aber die Neue Straße ist
mittlerweile auch ganz schön alt geworden. Wer mag wohl Lampertus als
Namensgeber für die Schachtanlagen und den dazugehörigen Weg zu uns
gebracht haben? Bergstraße klingt schöner als Leichenweg. Der
Maria-Reiff-Weg ehrt eine Frau, die für hilfsbedürftige Mädchen und
Frauen eine erhebliche Summe Geld spendete. Eine Stiftung wurde
errichtet, mit dem Ziel, ein Erholungsheim für diese Menschen zu bauen.
Dazu kam es nicht. Wo ist das Geld geblieben? Oberlehrer Karl Jähnig war
von Anfang an im Vorstand des Erzgebirgsvereins. Er erwarb sich als
Vorsitzender einer Gesellschaft, deren Mitglieder um 1925 Eigenheime
bauten, große Wertschätzung. Zu Recht trägt eine Straße in dieser
Siedlung seinen Namen. Das Poetengässchen erinnert wie die
Schubertstraße an den Schriftsteller und Naturphilosophen, der im
Pfarrhaus von Sankt Christophori geboren wurde. Und die
Hermann-Schubert-Straße in Wüstenbrand? Und die Meißnergasse? Was haben
der Pfaffenberg, der Pfarrhain, Am Kirchenfeld miteinander zu tun? Die
Straße Am Bahnhof blieb noch erhalten. Und ist der Bahnhof nicht doch in
Oberlungwitz, auf Oberlungwitzer Flur gebaut worden? Fragen über Fragen.
Dieter Krauße
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