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Stadtinformation

 
 
Stadtgeschichte von Hohenstein-Ernstthal
Geschichte des Ortsteils Wüstenbrand
Historische Rückblicke
Straßennamen

 

 

Für den Menschen unserer Tage ist es nicht einfach sich vorzustellen, dass sich dort, wo sich heute die Straßen und Plätze, die Gebäude und Gärten der Stadt Hohenstein-Ernstthals befinden, Anfang des 15. Jahrhunderts der "Hohe Stein", den wir heute als Pfaffenberg kennen, noch mit dichtem Wald bedeckt war. An seinen Abhängen stürzten Wildwässer zu Tal, die sich im Grunde sammelten und der Lungwitz zuflossen. Dass erste mal wurde der Hohe Stein am 1411 urkundlich erwähnt. Grund war ein „Streit zwischen drei Remser Adligen und dem edlen Herrn Veit von Schonenburg, Herrn zu Glaucha“ um die Jagdgebietsrechte auf dem Hohen Stein. Die unwirtschaftliche Höhenlage des Gebietes dürfte im 13. Jahrhundert zur Zeit der deutschen Besiedlung wenig Anreiz für eine Niederlassung geboten haben.

Der Überlieferung nach soll damals zwischen dem Pfaffenberg und der Langenberger Höhe ein Dorf namens Gecks- oder Jäcksdorf bestanden haben. Man hat in dieser Gegend einige Scherbenfunde gemacht, die diese Annahme bestätigen, allerdings gibt es keinen urkundlichen Eintrag.
 

Ende des 15. Jahrhunderts wurden reiche Erzfunde im Erzgebirge gemacht. Sie führten zur Gründung von Städten wie Annaberg und Schneeberg. Auch am Hohenstein, wo schon 1320 böhmische Bergleute nach Erzen geschürft haben sollen, blühte der Bergbau wieder auf, es entstand die Bergstadt Hohenstein.

Gegraben wurde nach Kupfer, Silber und Gold. Dies erfolgte in der Gegend nordöstlich des heutigen Altmarkts. Bald darauf wurden etwa 1km ostwärts davon Erzvorkommen entdeckt, die in den nacheinander entstandenen Gruben St. Lampertus, Wille Gottes, St. Anna usw. ausgebeutet wurden. Der Fuchsgrund in Ernstthal ist altes Bergbaugelände, der Lampertusweg, das Silbergässchen, die Goldbachstraße, sowie der Hüttengrund und die Hüttenmühle deuten in ihren Namen auf den Bergbau hin. Am Anfang der Bergbauzeit interessierte das stark vorhandene Arsen die Gewerke noch nicht. Später dann begann man den Arsenkies zu verwerten und gewann daraus Arsenik, ein Gift, das u.a. bei der Schädlingsbekämpfung und der Farbzubereitung eine Rolle spielte.
 
Der Bergbau war der Anlass zur Gründung der Stadt Hohenstein-Ernstthal. Über die Stadtrechtsverleihung liegt keine Urkunde vor, aber man nimmt an, dass dies 1510 geschah, da ein Brief der 1512 zur Regierung gekommenen Schönburgischen Brüder Wolf I. und II. aus dem Jahre 1521 vorliegt, in dem gewisse Rechte und Pflichten der Bürger bestätigt wurden. In diesem Brief wurde u. a. festgelegt, dass die Bürger in der Stadt bei Besitzwechsel kein Lehngeld zu zahlen brauchten. Wohl aber waren sie verpflichtet, für in der Flur (Hohenstein war auf allen Seiten von Lungwitzer Flur umgeben) erworbene Äcker, Wiesen und Gehölze eine Angabe zu entrichten, deren Höhe gleich der anderen Orte bemessen wurde. Die Stadt erhielt die Berechtigung, "alle Sonnabende einen freien Wochenmarkt" zu halten, zu dem auswärtige Händler ihre Ware zollfrei zu- und wegfahren durften. Ferner erhielten die Grundstücke die Braugerechtigkeit, d.h. die Genehmigung Bier brauen zu dürfen. Bier durfte nur innerhalb der Schönburgischen Lande erworben werden und es mussten "der Herrschaft vom Faß" zwei und der Gemeinde einen Groschen Schenkgeld gezahlt werden. Die Einwohner mussten im Jahr drei Tage Fron leisten, davon war einer mit der Sense abzuleisten, die Stelle des Einsatzes wurde von der Herrschaft bekannt gegeben. Fanden Wolfsjagden statt, hatten alle Männer daran teilzunehmen. Die Festlegung anderer Dienstleistungen, Steuern und Folgeleistungen bei Fehden und im Kriege behielten sich die Regierenden ausdrücklich vor. Die Stadt wuchs rasch. Altmarkt, Karlstraße, Ziegenberg, Lichtensteiner Straße, Obergasse und Weinkellerstraße, an der sich das Rathaus mit dem Weinkeller befand, bildeten den eigentlichen Stadtkern. Nach und nach entstanden weitere Gässchen und Straßen.
 
Der Bergbau, der in den folgenden Jahrhunderten mit wechselndem Erfolg betrieben wurde, war nicht der einzige Erwerbszweig der Stadt Hohenstein-Ernstthal.

Eine Stadt mit Markt und Braurecht war Anziehungspunkt für Handwerker, Bauernsöhne aus umliegenden Dörfern, die unter den Fronen zu leiden hatten und in der Stadt ein ganz anderes Auskommen hatten.
Schon 1517 wurde hier der erste Weber genannt. 1538 kam es zur Gründung der Weberinnung. Die Weberei und die Anfang des 18. Jahrhunderts aufkommende Strumpfwirkerei entwickelten sich zu den Haupterwerbszweigen der Stadt. Rohstoffe waren anfänglich Leinen und Wolle und später kamen Seide und Baumwolle dazu. Auf Schaftstühlen wurden Canevas und Leinwand, auf Jaquardstühlen Pikee und Atlasgewebe hergestellt. Jahrelang waren Tisch- und Bettdecken Hauptartikel der Weberei. In der Wirkerei waren neben Strümpfen baumwollene Zipfelmützen, wie sie der Bürger jener Zeit auch als Nachtmütze trug, die Produkte der einfachen hölzernen Kulierstühle.
Die Weberei und auch die Wirkerei wurden als Hausgewerbe betrieben. Der Garnkauf unterlag keinen bestimmten Vorschriften. Das Garn wurde anfänglich von den Bauern umliegender Dörfer erworben. Die Bauern mussten dass Garn auf den Markt bringen, wo es erst verkauft werden durfte, wenn der Stadtrichter den "Wisch" herausstreckte. Auch setzte das Stadtgericht die Preise fest. War der Bedarf der einheimischen Weber gedeckt, wurde der "Wisch" hereingenommen, es konnte dann jedermann zu jedem Preise kaufen. Eine weitere Vorschrift war, dass alle zum Verkauf kommenden Webwaren durch die Viertelmeisterei gekennzeichnet werden mussten. Es war eine Art Gütekontrolle, die mit einem besonderen Zeicheneisen vorgenommen wurde.
Die Weber brachten ihre Erzeugnisse zu Handelsherren, die die Waren aufkauften und damit Messen in Leipzig, Frankfurt und anderswo beschickten. Diese Handelsherren waren sehr vermögend und besaßen viele Pferdefuhrwerke. Einer von ihnen war August Zill, der im Jahre 1784 bei seinem Tode ein Vermögen von 120 000 Talern hinterlassen haben soll. Von den Kaufmannfamilien jener Zeit ist auch die Simonsche zu erwähnen, aus welcher der Stadtgründer von Ernstthal, Johann Simon, hervorging. Die meisten dieser Handelsherren wohnten am Altmarkt oder in der Dresdner Straße. Ihre Häuser hatten breite Tore und Einfahrten und große Warengewölbe.
In späteren Jahren fiel der Direktkontakt zwischen Webern und Kaufleuten aus. Als Zwischenhändler traten so genannten Zwischenmeister auf. Diese kauften das Garn selbst und teilten es den Webern für ihre Aufträge zu. Sie nahmen ihnen auch die Ware ab und zahlten ihnen den Lohn aus. Schon bei den Handelsherren war die Bezahlung der fertigen Ware erbärmlich gewesen, nun schmälerte sich der Verdienst noch mehr, zumal die Zwischenhändler einen entsprechenden Teil des Lohnes forderten. Es kam dazu, dass der Faktor vielfach die Ware bemängelte, an ihnen Fehler entdeckte, oft nur angeblich, und für diese Fehler bedeutende Lohnabzüge vornahm.
In den Akten der Weberinnung sind Aufzeichnungen vorhanden, die erschütternde Bilder von der Not der Weber zeigen.
 
In den Zeiten, wo Missernten oder wirtschaftliche Krisen herrschten, geriet der Weber und auch der Wirker immer mehr in Not und Elend und zugleich auch in wirtschaftliche Abhängigkeit. Die zahlreichen Brände die die Stadt heimsuchten, brachten die Weber und Wirker in große Not. So war z.B. 1674 ein großes Feuer, dem u. a. 85 Wohnhäuser zum Opfer fielen, und 1786 ein Brand, bei dem 28 Wohnhäuser neben zahlreichen Hinter- und Seitengebäuden vernichtet wurden. Die Arbeitsgeräte der Weber und Wirker die zum größten Teil aus Holz bestanden, verbrannten mit. Für die Geschädigten war die Beschaffung neuer Möbel und Arbeitsgeräte nur mit Hilfe ihrer Arbeitgeber möglich, wodurch sie in noch größere wirtschaftliche Abhängigkeit gerieten und ihr Einkommen noch mehr geschmälert wurde.
 
Neben der Weberei und Wirkerei entstanden in der Stadt Hilfs- und Zuliefererbetriebe für die Textilindustrie. Gute Wasserverhältnisse erlaubten die Anlage von Bleichereien und Färbereien, Appreturanstalten entstanden, in Metallbetrieben wurden Nadeln und andere Zubehörteile für die Textilindustrie gefertigt, Handwerker spezialisierten sich auf die Erfordernisse der Industrie, Musterzeichner und Kartenschläger entwarfen Muster und schufen die Voraussetzungen für deren Umsetzung in der industriellen Produktion.
 
Hohenstein blieb auch von Kriegsnöten nicht verschont. Der dreißigjährige Krieg, der Siebenjährige Krieg und schließlich die Napoleonischen Kriege hinterließen ihre Spuren in Stadt und Umgebung. Wenn Hohenstein auch nicht direkt an der Heerstraße lag, so war es doch immer der Gefahr ausgesetzt, durch umherschweifende Kriegsvölker geplündert und gebrandschatzt zu werden. Marodeure, von den Truppen abgesplitterte Krieger, zogen durch das Land, bedrängten die Einwohner, stahlen, raubten und mordeten. Die einquartierten Truppen legten den Einwohnern hohe Lasten auf. Oft mussten Kontributionen geleistet werden, die für Truppen bestimmt waren, welche in der Nachbarschaft zelteten. Neben Lieferung von Lebensmitteln und Futter für die Pferde waren es vor allem Leistungen in Geld, welche die Not der Einwohner noch mehr vergrößerten. Die fremden Völker brachten aber auch Seuchen mit. So wurde 1632 die Pest in Hohenstein eingeschleppt, die bis 1633 dauerte und 568 Todesopfer forderte. Die Pest wiederholte sich im Jahre 1680 in Hohenstein, und viele Einwohner zogen hinaus auf den Berg oder in das östlich der Stadt gelegene obere Hainholz, um dort in reiner Waldluft gegen Ansteckungen gefeit zu sein.
 
Diese Flucht war übrigens Anlass für die Gründung Ernstthals.
Der Handelsherr Jacob Simon hatte sich schon 1679 im oberen Hainholz ein Haus erbaut, in das sein Sohn Johann 1680 zog, als er von Dresden kam und in die pestverseuchte Stadt nicht hineingelassen wurde. Er veranlasste, dass weitere Hohensteiner sich ansiedelten gründete eine Färberei und Reinigung und setzte es durch, dass der jungen Gemeinde, die den Namen Ernstthal erhielt, schon 1687 die Stadtrechte verliehen wurden.
Große Not hatte die Stadt auch in den Jahren 1770-1772 zu leiden. Unwetterkatastrophen und Missernten hatten eine furchtbare Teuerung und Hungersnot über Kursachsen und die Schönburgischen Lande gebracht. Die Getreidepreise stiegen sprunghaft, arme Leute starben, andere die Nahrung stahlen und erwischt wurden, wurden mit Prügel bestraft.
Ernstthal entwickelte sich in der Folgezeit recht gut, was von den Hohensteinern oft mit missgünstigen Blicken beobachtet wurde. Es dauerte deshalb recht lang, bis die beiden Städte, wirtschaftlich schon lange eine Einheit bildeten und mit ihren Straßen und Gassen ineinander hineingewachsen waren, auch die politische Einheit fanden.

Nach langen Kämpfen in den beiden Stadtparlamenten wurde am
1. Januar 1898 die Vereinigung vollzogen. Hohenstein wurde als Altstadt und Ernstthal als Neustadt bezeichnet.
 

In der Mitte des 19. Jahrhunderts ging es den Webern besonders schlecht. Wieder wurde die Lage der arbeitenden Bevölkerung durch Missernten und damit verbundene Teuerungen noch verschärft. Kartoffelschalen, ein Hering für eine zahlreiche Familie, oft genug trockenes Brot und Kartoffeln mit Salz und Talggriefen waren die karge alltägliche Kost, Fleisch gab es ganz selten, Kuchen nur zu den hohen Festtagen. Es war nur zu verständlich dass unter den tausend Bauern, Bergleuten und Webern die am 5. April 1848 nach Waldenburg zogen, um dem Fürsten von Schönburg-Waldenburg ihre Forderungen auf Milderung der Steuern und Abgaben vorzulegen, auch viele Hohensteiner und Ernstthaler waren. Ein Jahr später zogen Freiwillige unter Führung des Hohensteiner Webers Döring nach Dresden, um dort an den Kämpfen der Aufständischen für Recht, Freiheit und Demokratie gegen das vom König herbeigerufene preußische Militär teilzunehmen. Döring der nach dem unglücklichen Ende der 1849er Revolution fliehen musste und später zu einer langen Kerkerstrafe verurteilt wurde, blieb auch nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus ein revolutionärer Geist und gründete 1863 einen Bildungsverein und hielt in diesem Vorträge verschiedenster Art.
 

Mit der Einführung der Dampfmaschine und dem Anschluss an das Eisenbahnnetz, die Eisenbahnstrecke der Stadt wurde in den Jahren 1855 bis 1858 erbaut, gewann die fabrikmäßige Produktion immer mehr die Oberhand.

In Hohenstein und Ernstthal entstanden große Fabriken, in die der mechanische Webstuhl, der Paget- und der Rundstuhl, die Cotton- und Standardmaschine einzogen. Trotz dessen klapperten in den kleinen Häusern immer noch der hölzerne Webstuhl bis ins 20. Jahrhundert hinein. Die große Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 machte jedoch auch die letzten Handweber arbeitslos, weil ihre Stühle wirklich nicht mehr mit den modernen Maschinen konkurrieren konnten. Das infolge der Fabrikarbeit sich entwickelnde Proletariat organisierte sich, es kam zur Bildung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, schließlich zur Gründung des Volksvereins, aus dem die sozialdemokratische Partei hervorging. August Bebel war um jene Zeit mehrmals in den Mauern des heutigen Hohenstein-Ernstthal.
 

Nach Ausbruch des Weltkrieges 1914 entstand eine trostlose wirtschaftliche Lage. Als in der Heimat die Lebensmittellage, die Arbeitssituation usw. sich verschärften und draußen an der Front die Verluste ins Unermessliche gingen, da spürte man auch in der Heimat die ersten Zeichen revolutionärer Strömungen.
Am 30. Dezember 1917 kam es in Hohenstein-Ernstthal zur Gründung der USPD. Mit der katastrophalen Lage im Jahre 1918 wuchs die revolutionäre Stimmung in der Stadt. Am 9. November 1918 brach das kaiserlichen Regimes zusammen. Der gebildete Arbeiter- und Soldatenrat setzte sich paritätisch aus vier Vertretern der USPD und vier Vertretern der SPD zusammen. Am 12. Januar 1919 wurde im Hotel „Braunes Roß“ die Ortsgruppe der KPD gegründet, die sich 14 Tage später zur Stadtverordnetenwahl stellte. Die junge Partei wurde mit acht Sitzen die zweitstärkste Fraktion im Stadtparlament.
 

Der in der Textilindustrie durch die Blockade herrschende Rohstoffmangel wirkte sich negativ aus, dazu kamen die niedrigen Lebensmittelrationen, die die Unzufriedenheit unter der Bevölkerung steigerten. Die fortschreitende Teuerung veranlasste die Arbeiter Hohenstein-Ernstthals, genau wie die Arbeiter und Bergleute der gesamten Region, oft zu Hunger- und Protestdemonstrationen auf die Straße zu gehen. Die Werktätigen erhielten ihren Lohn in inzwischen längst wertlos gewordenen Papiermark ausgezahlt. Am 30. Oktober 1923 rückte in Hohenstein-Ernstthal die Reichswehr ein und verhängte den Belagerungszustand und nahm zahlreiche Verhaftungen und Beschlagnahmungen vor. Der Altmarkt glich zu jener Zeit einem Heerlager. Die Straßen um den Markt waren mit spanischen Reitern und Maschinengewehren gesichert, mitten auf dem Markt biwakierten die Truppen, und wer sich abends nach 18 Uhr auf der Straße blicken ließ, hatte mit Erschießen zu rechnen.
 
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 an wurde auch in Hohenstein-Ernstthal immer fühlbarer. Es kam zu großen Entlassungen in der Industrie, zu Kurzarbeit und Stilllegungen, zu Lohn- und Gehaltskürzungen. Die ausgesteuerten Arbeitslosen waren auf Wohlfahrthilfe angewiesen. In die Zeit von 1931 und 1933 fallen Hungerdemonstrationen und heftige politische Auseinander-setzungen, auch innerhalb des Stadtparlaments. Der reaktionäre Bürgermeister Dr. Wagner ließ aus Angst vor Aktionen der Arbeitslosen einen Teil des Rathauses in eine Festung verwandeln, es mit schusssicheren Fensterläden, zum Teil auch mit Gittern versehen. Und das in einer Zeit, in der manchmal die Stadtkasse nicht genügend Geld zum Auszahlen der Unterstützung hatte.
 
Die Machtübernahme am 30. Januar 1933 durch Hitler brachte für viele Menschen Verhaftungen, Drangsalierungen und wirtschaftliche Not. Am 2. Mai 1933 wurde wie anderwärts das gewerkschaftliche Eigentum beschlagnahmt. Am 22. Juni 1933 wurden neben Kommunisten auch führende Mitgliedern der SPD verhaftet, brutal misshandelt und längere Zeit inhaftiert. Bis 1936 brachten weitere Verhaftungswellen für viele Kerker und Konzentrationslager.
 

Als nach dem Einzug der Amerikaner am 14. April 1945 antifaschistische Kräfte die Geschicke der Stadt in ihre Hände nahmen und nach Abzug der Amerikaner und dem Einzug der Roten Armee im Juni 1945 sich die Ordnung stabilisierte, waren zwar keine unmittelbaren Kriegsschäden an Gebäuden zu beseitigen, aber die Stadt war voll gestopft mit Flüchtlingen aus dem Osten und mit Evakuierten und Bombengeschädigten aus dem Rheinland und aus Chemnitz. Die Lebensmittelvorräte schmolzen immer mehr zusammen. Die Bevölkerung lebte von der Hand in den Mund. Oft wussten die Verantwortlichen der Stadt nicht, wie sie die auf den Lebensmittelkarten garantierten Mengen beschaffen sollten. In der Textilindustrie herrschte Rohstoffmangel, die Betriebe waren von ihren früheren Rohmateriallieferanten abgeschnitten. Stillgelegte Betriebe kamen nur schwer wieder in Gang, improvisierten irgendwelche Produktion, mussten mühselig neu aufbauen.
Es gab um jene Zeit viele Zweifler, die den Glauben an eine Besserung der damaligen Verhältnisse verloren hatten, die resignierten und den Gedanken, dass sich jemals wieder Wohlstand in der Stadt ausbreiten könnte, weit von sich wiesen. Aber die Mehrheit der Bevölkerung packte zu, um die Schäden zu beseitigen.
 
Mit der Verwaltungsreform von 1952 wurde Hohenstein-Ernstthal Kreisstadt des gleichnamigen neu gebildeten Kreises.

Ab 1. September 1951 nahmen die neuen Dienststellen ihre Tätigkeit in der Kreisstadt auf; es war nicht so leicht, für jede sogleich die notwendigen Räumlichkeiten zu beschaffen. Neue Aufgaben traten an die Stadtverwaltung heran. Der Schulbetrieb wurde wieder aufgenommen. Es entstanden eine Zentrale Sonderschule, Kinderkrippen, Kindergärten, Kinderhorte und das Kreisjugendklubhaus. Das Feierabendheim an der Friedrich-Engels-Straße wurde ausgebaut, an der Ernst-Schneller-Straße im Jahre 1959 ein Veteranenklub eingerichtet. Auf dem Pfaffenberg entstand, zum großen Teil im Nationalen Aufbauwerk, eine moderne Sportanlage, Aufforstungen im Stadtpark wurden durchgeführt, der Fuchsgrund in Ernstthal wurde zu einer Parkanlage gestaltet. Überall wurde die Straßenbeleuchtung verbessert, der Ortsteil ,,Im Viertel“ des seit 1909 zu Hohenstein-Ernstthal gehörenden Hüttengrundes mit Wasserleitung versorgt. Omnibuslinien verbanden fast jeden Ort des Kreisgebietes mit der Kreisstadt. An Stelle der elektrischen Straßenbahn, wurden die Omnibusverbindungen nach dem Kohlengebiet von Oelsnitz (Erzgebirge) und in die Nachbarorte ausgebaut. Zwischen dem Hüttengrund und dem Stadtgebiet entstand ein neuer Stadtteil, die Ernst-Thälmann-Siedlung. Im Osten der Stadt entstanden durch die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft und durch den staatlichen Wohnungsbau neue Häuser. Der Sachsenring, dessen interessanter Kurs seit 1927 als Rennstrecke für Motorräder und Rennwagen dient, wurde immer mehr ausgebaut und verbessert. Auf dem Sachsenring dröhnten die Motoren und flitzen die leichten Räder der Giganten der Landstraße und machten Hohenstein-Ernstthal bekannt und berühmt.
 



Die Wahl des Sachsenrings zum Austragen der Straßenradwelt--meisterschaften im Jahre 1960 stellte neue Forderungen an die Stadt. Rathaus, Bahnhof und Post präsentierten sich im neuen Gewande. Die Wirtschaft des Kreisgebietes entwickelte sich rasch und gut. Es entstanden neue Fabriken, die die Wirtschaft ankurbelten, so die Möbelstoffwerke als der größte Betrieb der Stadt, der Möbel- und Dekostoffe, Wandbilder und Gobelins produzierte, der VEB Baumwollwebereien Hohenstein-Ernstthal, der VEB Turmalin, wo Strümpfe und Socken produziert wurden. Der Wohlstand erhöhte sich und auch das Bewusstsein der Menschen veränderte sich. Selbstverständlichkeiten wurde all das, worum Generationen kämpften: Mitbestimmungsrecht, menschenwürdige Arbeitsplätze, Siebeneinhalbstundentag, Ferienlager, Urlaubs-freuden, um nur einige zu nennen. In den Waldungen und Parkanlagen konnten sich nach Jahren der Zerstörung wieder Kinder und Erwachsene erholen. 

 

 

Quelle:
Festschrift "450 JAHRE HOHENSTEIN-ERNSTTHAL" zum Berg- und Heimatfest vom 16. bis 25. Juni 1961 (gekürzt und redaktionell überarbeitet, eine neue Gesamtdarstellung der Stadtgeschichte ist in Arbeit).

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