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Präambel
Mit der Stadtentwicklungskonzeption
sollen Entwicklungsrisiken minimiert und kostspielige Fehlent-wicklungen
vermieden werden. Gemeinsam erarbeitet Leitgedanken sollen alle
Entwicklungspotentiale der Stadt befördern.
Mit der Festschreibung der kommunalpolitischen Ziele und Richtungen
unserer Stadt wird die Arbeit des Stadtrates und der Verwaltung
wesentlich unterstützt.
Die Finanzsituation unserer Stadt stellt hohe Anforderungen an die
Qualität der gemeindlichen Entscheidung und zwingt den Stadtrat zur
Festlegung von Zeit und Rangfolgen bei der Umsetzung.
Die gemeinsam erarbeiteten Vorstellungen zur Stadtentwicklung sollen
nicht nur von Stadtrat und Verwaltung, sondern vor allem auch durch
unsere Vereine, Händler, Unternehmer und Einwohner umgesetzt werden.
Für das Erreichen der Zielstellung muss von allen Beteiligten
Engagement, Toleranz, Fairness und Weitblick aufgebracht werden.
Nur so wird es möglich sein, moderne, verantwortungsbewusste
Kommunalpolitik, die den Bürger in den Mittelpunkt der Entscheidung
stellt, zu verwirklichen.
Grundsätze
Die Ausgangslage für die Entwicklung
unserer Stadt ist folgende:
Hohenstein-Ernstthal ist eine Kleinstadt im westsächsischen
Verdichtungsraum, zwischen Chemnitz und Zwickau gelegen.
Als Große Kreisstadt und Teil eines kooperierenden Mittelzentrums mit
der Stadt Lichtenstein besteht für sie die Aufgabe, Umlandfunktionen
anzubieten und zu erbringen.
Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und der Siedlungsentwicklung ist
eine enge Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden unbedingt erforderlich.
Eine geordnete städtebauliche Entwicklung innerhalb de jetzigen
Gemeindegrenzen muss sensibel erfolgen, um die hohe Lebensqualität der
Stadt zu erhalten und zu verbessern.
Oberziele der Stadtentwicklung sollen
sein:
1. Schaffung und Sicherung der Wirtschaftskraft
2. Sicherung einer stetigen Erhöhung der Einwohnerzahl
3. Steigerung der Attraktivität der Stadt
Die Stadt Hohenstein-Ernstthal ist
anhand dieser Oberziele zu entwickeln als
-
Gewerbe- und Industriestandort
-
Behörden- und Dienstleistungszentrum
-
attraktiver Wohnstandort zwischen Chemnitz und Zwickau
-
regionaler Einkaufsstandort mit belebter Innenstadt
-
Tourismusstandort.
Mit der vorliegenden
Stadtentwicklungskonzeption bringt sich Hohenstein-Ernstthal aktiv in
den Wirtschaftsraum Chemnitz Zwickau ein, nämlich als traditioneller
Standort
-
mit erschlossenen Gewerbegebieten und verfügbaren Flächen für Investoren
-
mit vorhandenem qualifizierten Arbeitnehmerpotential
-
mit strategisch günstiger Lage zu neuen Märkten und überregionalen
Verbindungsachsen
-
mit reizvoller Umgebung mit vielfältigen Freizeit- und
Erholungsmöglichkeiten.
1. Gewerbe und Industrie
Eine der wichtigsten Aufgaben der
Daseinsvorsorge für ihre Bürger ist die Schaffung der
Rahmen-bedingungen für das Entstehen neuer Arbeitsplätze.
Aufgrund der wenigen vorhandenen Entwicklungsflächen der Stadt sind
weitere Gewerbeflächen nur über die Zusammenarbeit mit den
Umlandgemeinden im Rahmen von Planungs- bzw. Zweckverbänden möglich.
Die Realisierung der Gewerbe- und Industrieflächen "Am
Sachsenring", "An der Baumschule", und An der Limbacher
Straße" erfolgt innerhalb des Zweckverbandes in dieser Reihenfolge
und entsprechend des gegebenen Bedarfs und der finanziellen
Möglichkeiten der beteiligten Gemeinden.
Neben der Baulandausweisung sind die bestehenden gewerblichen Betriebe
und Unternehmen im Stadtgebiet bei der Standortsicherung zu
unterstützen.
Für die Vermarktung der Gewerbe- und Industriestandorte sind die
Imagefaktoren der Stadt und der Region Gemeinde übergreifend
einzusetzen.
Schwerpunkt bleibt dabei die Schaffung und der Erhalt von Arbeits- und
Ausbildungsplätzen gemeinsam mit den Unternehmen und Gewerbetreibenden.
2. Verwaltung, Behörden und
Dienstleistungen
Als Große Kreisstadt und Teil eines
kooperierenden Mittelzentrums hat die Stadt Hohenstein-Ernstthal
wichtige Umlandfunktionen zu erfüllen.
Die Stadtverwaltung selbst ist zum Dienstleistungsunternehmen zu
entwickeln.
Folgeeinrichtungen sind nach Möglichkeit zu privatisieren bzw. in freie
Trägerschaft zu überführen. Behörden sind in erster Linie
Dienstleistungseinrichtungen für die Bürger.
Standorte von Verwaltung und Behörden bedeuten aber auch zahlreiche
Arbeitsplätze, zusätzlich bringen überregionale Behörden Besucher in
die Stadt, die wiederum zur Innenstadtbelebung beitragen.
Aus vorgenannten Gründen ist die Ansiedlung von Behörden und
Dienstleistungseinrichtungen (hier besonders die freien Träger der
Wohlfahrtspflege, Krankenkassen, Arztpraxen, medizinische Hilfs- und
Rettungsdienste, Geldinstitute und Versicherungen) seitens der Stadt
maximal zu unterstützen.
Wichtige Behörden
neben der Stadtverwaltung sind
-
Außenstelle Landratsamt Chemnitzer Land mit Sozialamt, Kfz-Zulassung,
Jugendamt, Wohngeldstelle
-
Amtsgericht und Grundbuchamt
-
Vermessungsamt
-
Finanzamt
-
Arbeitsamt
-
Polizeirevier.
Der Zentralitätsausgleich für den
Verlust des Kreissitzes ist weiterhin einzufordern. Das betrifft in
erster Linie die Ansiedlung des Amtes für Familie und Soziales
Chemnitz.
Mit den genannten Behörden und Verwaltungen werden die gewünschte
Bürgernähe in unserer Stadt erreicht und zahlreiche Arbeitsplätze
gesichert.
Die Freiwillige Feuerwehr von Hohenstein-Ernstthal ist für alle Bürger
da. Sie rettet im Ernstfall Menschenleben und Sachwerte.
Für die Aufgabenerfüllung braucht die Feuerwehr entsprechende
Voraussetzungen. Dabei kommt der Errichtung eines neuen
Feuerwehrgerätehauses eine dominierende Rolle zu. Für Brand- und
Katastrophenfälle ist auch entsprechende Vorsorge zu treffen.
3. Handel und Gastronomie
Die Innenstadt ist zum Handels- und
Dienstleistungszentrum zu entwickeln.
Dabei müssen auch Wohnungen im Stadtzentrum in ausreichendem Maße
erhalten bleiben. Am Grundsatz der Vermeidung von großflächigem
Einzelhandel vor den Toren der Stadt sollte festgehalten werden.
Die Initiative der Händler zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt
sind zu fördern und zu unter-stützen.
Dazu ist z.B.
notwendig
-
leichte Erreichbarkeit des Stadtzentrums, auch für Ortsfremde
-
Verbesserung der Parksituation und des ÖPNV
-
ein Branchenmix in der Innenstadt
-
innerstädtisches Kaufhaus
-
Wochenmärkte
-
attraktive gastronomische Einrichtungen und Übernachtungsmöglichkeiten
-
Dienstleistungsmöglichkeiten
-
kulturelle Einrichtungen wie Museen, Kino, Galerie, Vereinsangebote,
Bibliothek
-
Innenstadtfeste der Händler.
4. Wohnen
Aufgrund des bestehenden Wohnungsbedarfs
und des Zieles Erhöhung der Einwohnerzahl nimmt der Wohnungsbau eine
dominante Rolle ein.
Vor allem ist durch die private Schaffung von neuem Wohnraum und die
private Sanierung von Wohnungen eine quantitative und qualitative
Verbesserung zu erzielen und die Eigentumsbildung unserer Bürger zu
fördern.
Die Stadt ist darüber hinaus als Wohnstandort zu vermarkten, um der
sinkenden Einwohnerzahl entgegenzuwirken.
Die Schwerpunkte bei der Umsetzung
dieser Ziele bilden:
-
Erhalt der Stadtkerne als Lebensbereich und wesentliches Sanierungsziel
-
Wiedergewinnung bzw. Modernisierung von Wohnraum, insbesondere im Rahmen
der Stadtsanierungsmaßnahmen "Altmarkt" und "Neumarkt"
-
Umnutzung von Industriebranchen für Wohnungszwecke,
z.B. "Vinora",
"Malitex", "Naplafa"/ Lindenstraße, "Naplafa"/Antonstraße,
"Turmalin"/Conrad-Clauß-Straße.
Darüber hinaus vorrangige Nutzung von
Baulücken und Nachverdichtungen in Teilgebieten der Stadt.
-
Baulandgewinnung durch Ausweisung von Wohnbaugebieten im Rahmen von
Bebauungs- bzw. Vorhaben-
und Erschließungsplänen:
- Am Badberg
- Hasenhügel / Logenstraße
- Nutzunger Straße
- An der Pölitzstraße
- An der Talstraße
-
Gemeinsam Neuerschließung von Wohnbaugebieten im Rahmen des
Zweckverbandes "Am Sachsenring"
-
Entwicklung des Spielplatzangebotes im Stadtgebiet und Verbesserung des
Wohnumfeldes in einzelne Gebieten
-
weitest gehende Berücksichtigung des barrierefreien Bauens im Interesse
unserer behinderten Bürger
-
Gestaltung attraktiver Straßen, Plätze, Wege und Fassaden
-
Begründungsmaßnahmen im Stadtgebiet
-
Sauberkeit und Ordnung in allen Stadtteilen
5. Verkehr
Die Verkehrskonzeption der Stadt wird
umgesetzt und weiterentwickelt.
Hauptziele sind:
-
Verringerung des Durchgangsverkehrs im Stadtzentrum
-
Optimierung der Verkehrsdurchführung und Verbesserung der Ausschilderung
im gesamten Stadtgebiet
-
Erreich- und Verlassbarkeit des Stadtzentrums auf kurzen Wegen
-
Erhöhung der Anzahl der Kurzzeitparkplätze im Innenstadtbereich und
Schaffung zentrumsnahen Parkraumes
-
Weiterentwicklung der Stadtbuslinie
-
Maßnahmen zur Verbesserung der Annahe des ÖPVN bzw. des Fernverkehrs
(Bahn AG), Nahverkehr Chemnitz, Gestaltung des Bahnhofes und seines
Umfeldes
-
Verkehr beruhigende Maßnahmen in Teilbereichen der Stadt
-
Realisierung eines überörtlichen Radweges Chemnitz/Zwickau sowie von
Radwegverbindungen nach Oberlungwitz und Wüstenbrand
6. Kultur, Tourismus und Fremdenverkehr
Zur Unterstützung des sanften Tourismus
zum Vorteil der Stadt sind alle Kultureinrichtungen und Veranstaltungen
weiter zu fördern und professionell zu vermarkten.
Dazu ist die Einbeziehung von privaten Gesellschaften und Unternehmern
zu prüfen.
In das Stadtmarketing sind
vordringlich einzubeziehen:
-
Karl-May-Haus und -Stätten
-
Textil- und Heimatmuseum
-
Ausstellung "Buntes Holz"
-
Verkehrssicherheitszentrum und Sachsenring
-
Western Ranch
-
Freizeitzentrum "Stausee Oberwald"
-
Karl-May-Freilichtbühne
-
Schwimmhalle
-
Rathaus- und Hofkonzerte
-
Kleine Galerie
-
Stadtfeste und Veranstaltungen im Zentrum
-
Veranstaltungen am Verkehrssicherheitszentrum
-
Bergfest
-
Großveranstaltung wie Saxionade und Aktion Sorgenkind
Für die Vermarktung der Stadt und ihrer
Stätten sind alle Möglichkeiten (Presse, Fernsehen, Kabel-Journal,
Messen, Reisebüros) einschließlich der überregionalen Beziehungen,
wie wissenschaftliche Beiträge, Stiftungen, Verbände, in diesem
Zusammenhang auch Abhaltung von Tagungen, zu nutzen.
Gemeinsam mit einem privaten Betreiber des Kinos ist der Fortbestand der
Einrichtung zu sichern. Die Chancen für eine spätere Vermarktung der
Bergbauzeugen in der Stadt sind zu bewahren.
Die zahlreichen Denkmale der Stadt sind zu unterstützen.
Die privaten Aktivitäten zur Schaffung einer Karl-May- Freilichtbühne
sind zu fördern.
Höhepunkte der erfolgreichen Stadtentwicklung sollte der "Tag der
Sachen" 1998 in Hohenstein-Ernstthal anlässlich des 100jährigen
Jubiläums der Vereinigung von Hohenstein und Ernstthal sein.
Die Ausrichtung dieses "Tages der Sachsen" gemeinsam mit
weiteren Gemeinden im Umland der Stadt ist anzustreben.
7. Freizeit/Sport
Freizeit und Sport sind ebenfalls ein
wichtiger Bestandteil der Infrastruktur.
Hier sollte die Entwicklung von drei
Schwerpunkten Vorrang haben:
-
Unterstützung aller Aktivitäten am Verkehrssicherheitszentrum und am
Sachsenring
-
Mit den Radfahrverbänden wird der alte Sachsenring einschließlich VSZ zu einer anerkannten Rennstrecke entwickelt
-
Planung und schrittweise Umsetzung der Neugestaltung des Goldbachtales
von der Poststraße bis zum Lungwitzbach, inbegriffen die Freizeit- und
Sportanlagen, wie Freibad, Hallenbad- und Sportbereiches am Pfaffenberg
Die Sportvereine der Stadt sind auf
vielfältige Art zu fördern. Für die Jugend, Senioren, und Vereine
sind sie die bestehenden Einrichtungen zu erhalten.
Weitere Aktivitäten von Vereinen und Organisationen sind auf diesem
Gebiet besonders zu unterstützen.
8. Bildung
Ziel der Schulnetzplanung sollte es sein,
dass im Stadtgebiet Grundschulen, Mittelschulen unterschiedlichen
Profils, das Gymnasium, eine Lernförderschule und eine
Geistigbehindertenschule angeboten werden. Die Volkshochschule als
wichtiger Bildungsträger vorwiegend für Erwachsene ist ebenso wie
private Bildungseinrichtungen zu unterstützen.
Die Musikschule - Außenstelle Glauchau - ist zu erhalten.
Das Freizeitangebot für Schulen ist zu erweitern. Bei
Kindertagesstätten und Horten ist ein ausreichendes Angebot zu sichern.
Das Angebot der freien Träger sollte bereit gefächert bleiben.
Die Bibliothek mit ihrer auch wichtigen Umlandfunktion ist auf hohem
Niveau zu halten.
9. Umwelt und Natur
Zur Lebensqualität einer intakten Stadt
trägt der sorgsame Umgang mit Umwelt und Natur bei.
Die Stadt setzt diesbezüglich
folgende Prämissen:
-
Instandsetzung und Erhaltung der vorhandenen Park- und Grünanlagen
(Pfaffenberg, Jahn-Park, Ende-Park, Rosa-Luxemburg-Park,
Fuchsgrund-Park) sowie Erweiterung einzelner Anlagen (Teichplatz Ernstthal, Stadtgarten)
-
Fortführung der Begründung von innerstädtischen Plätzen und Straßen
-
Ankauf und Aufforstung bzw. Begründung von Ersatzflächen als Ausgleich
für weitere Versiegelungen im Stadtgebiet
-
Festschreibung privater Grünflächen
-
teilweise Restaurierung des Goldbaches im Stadtgebiet
-
sinnvoller Ausbau der Trinkwasserversorgung
-
sinnvoller Ausbau der Abwasserentsorgung (Errichtung von Trennsystemen,
Regenrückhalteanlagen usw.) zur Entlastung der Fließgewässer
-
Neuausweisung, Erhaltung und Pflege des Landschaftsschutzgebietes
-
"Rabensteiner Wald - Pfaffenberg"
-
Förderung alternativer Energien
-
Verkehrsmaßnahmen mit Wirkung im Umweltbereich (Verringerung von
Emissionen)
-
Stärkung des Umweltbewusstseins bei allen Einwohnern
10. Umlandbeziehungen
Um die Ausstrahlung und Anziehungskraft
des Mittelzentrums Hohenstein-Ernstthal auf das Umland zu verstärken,
ist die Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden stärker zu entwickeln.
Gebiete der Zusammenarbeit sind
möglich bei
-
gemeinsamer Planung und Erschließung von Gewerbe- und Wohngebieten
-
Verwaltungsaufgaben
Bauhöfen (Straßenunterhaltung, -reinigung)
-
Stadtwerken
-
Feuerwehr
-
gemeinsamen Betreiben kommunaler Einrichtungen (Museen, Sport- und
Freizeiteinrichtungen, Bäder, Schulen, Kindereinrichtungen, Bürgersälen)
Im Rahmen von Verwaltungsgemeinschaften
und Zweckvereinbarungen kann die Große Kreisstadt Hohenstein-Ernstthal
zusätzlich Verwaltungsaufgaben für das Umland erbringen.
Der vorhandene Zweckverband "Am Sachsenring" sollte zu einem
Planungsverband entwickelt werden. Eine gemeinsame
Flächennutzungsplanung wird angestrebt.
Hohenstein-Ernstthal, im Februar
1996/April 1996
Homilius Oberbürgermeister
Die vorliegende
Stadtentwicklungskonzeption wurde zur 19. öffentlichen Sitzung des
Stadtrates der Stadt Hohenstein-Ernstthal am 23.04.1996 mit Vorlage
6/19/96 vom Stadtrat bestätigt und wird im Amtsblatt Juni 1996
vollständig zur Informationsabsicherung für die Bürger der Stadt
veröffentlicht.
Ausfertigung am 09.05.1996
Homilius Oberbürgermeister
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